Wer eine feuchte Kellerwand entdeckt und nach Lösungen sucht, stößt schnell auf Begriffe wie Elektroosmose, Injektion oder AQUAPOL®. Da stellt sich eine naheliegende Frage: Was davon ist überhaupt vergleichbar – und wie unterscheiden sich die Verfahren? Genau darum geht es in diesem Beitrag. Auch wir bei AQUAPOL® ziehen die Elektroosmose manchmal als Vergleich heran, wenn wir unser Wirkprinzip möglichst einfach erklären möchten. Wichtig ist dabei: AQUAPOL® ist keine Elektroosmose. Beide Ansätze wollen bei kapillar aufsteigender Bodenfeuchte den Feuchtigkeitstransport im Mauerwerk beeinflussen. Der technische Weg dorthin ist jedoch grundlegend verschieden.
Zuerst: Warum steigt Feuchtigkeit überhaupt im Mauerwerk auf?
Viele ältere Gebäude besitzen keine funktionierende waagrechte Feuchtigkeitssperre im Mauerwerk mehr – fachlich Horizontalabdichtung genannt. Bei manchen alten Bauwerken wurde eine solche Sperre beim Bau überhaupt nicht vorgesehen.
Ziegel, Naturstein und Mörtel sind nicht vollkommen dicht. Sie enthalten viele feine Poren und Hohlräume. Gemeinsam bilden sie eine Art Netzwerk – das sogenannte Kapillarsystem. Man kann es sich vereinfacht wie einen sehr feinen Schwamm vorstellen: Wasser aus dem Erdreich kann in diese Poren eindringen und entgegen der Schwerkraft nach oben wandern. Diesen Vorgang nennt man kapillar aufsteigende Bodenfeuchte.
Sichtbare Folgen können unter anderem abplatzender Putz und Anstrich, Salzausblühungen, dunkle oder feuchte Wandbereiche und unangenehmer Modergeruch sein.
Wichtig ist allerdings: Nicht jede feuchte Wand ist automatisch von aufsteigender Bodenfeuchte betroffen. Auch seitlich eindringende Feuchtigkeit aus dem Erdreich, Kondensationsfeuchte, Schlagregen, Installationsschäden oder andere Ursachen können eine Rolle spielen. Deshalb steht am Beginn jeder sinnvollen Mauerentfeuchtung die Frage: Woher kommt die Feuchtigkeit tatsächlich?

Was ist Elektroosmose?
Elektroosmose ist ein physikalischer Effekt, bei dem ein elektrisches Feld die Bewegung von Wasser in feinen Poren beeinflussen kann. Anschaulich gedacht: Eine feuchte Mauer ähnelt einem sehr feinen Schwamm. In ihren Poren befindet sich Wasser. Wird in diesem feuchten, porösen Material ein elektrisches Feld erzeugt, kann sich das Wasser unter bestimmten Bedingungen gezielt bewegen.
In der Fachsprache wird dieser durch ein elektrisches Feld beeinflusste Wassertransport Elektroosmose genannt. Für das Grundverständnis reicht dabei ein Gedanke: Das Wasser wird nicht abgesaugt oder erhitzt. Stattdessen soll seine Bewegung im feinen Porensystem des Materials elektrisch beeinflusst werden.
Bei aktiven elektroosmotischen Systemen zur Mauerentfeuchtung werden deshalb Elektroden eingesetzt. Je nach System befinden sie sich im bzw. am Mauerwerk und in einem tiefer liegenden Bereich oder im Erdreich. Über eine Spannungsquelle wird Gleichspannung angelegt – also eine elektrische Spannung mit gleichbleibender Polung. Dadurch entsteht ein elektrisches Feld im Mauerwerk. Ziel ist es, das Wasser in Richtung der negativ geladenen Elektrode, der sogenannten Kathode, zu bewegen bzw. den Feuchtigkeitstransport in diese Richtung zu beeinflussen.
Wichtig: Elektroosmose ist kein einzelnes Produkt. Systeme unterscheiden sich bei Elektrodenmaterial, Anordnung und Steuerung. Neben metallischen Werkstoffen kommen heute bei einzelnen Systemen beispielsweise auch leitfähige Kunststoffe und kohlenstoffbasierte Materialien zum Einsatz.
Quelle/Weiterlesen: DTU – Drying brick masonry by electro-osmosis
Anbieterbeispiel zur Systemausführung: MAUERPOL – Aktive Elektroosmose verständlich erklärt

Elektrophysikalische Verfahren in der ÖNORM B 3355
Für Österreich ist in diesem Zusammenhang die ÖNORM B 3355 „Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk“ besonders relevant. Sie unterscheidet zur Verhinderung bzw. Begrenzung des kapillaren Aufsteigens von Feuchtigkeit zwischen mechanischen Verfahren, Injektionsverfahren und elektrophysikalischen Verfahren.
Die Norm bezeichnet solche Systeme als elektrophysikalische Verfahren. Vereinfacht gesagt: Elektroden werden im Mauerwerk verlegt und mit Gleichspannung betrieben. Die Elektroden müssen laut Norm in allen zu trocknenden Mauern eingebaut werden. Für die technische Ausführung behandelt die Norm unter anderem die Anordnung der Elektroden, die Stromversorgung, die Beständigkeit der eingesetzten Materialien und die Kontrolle der Wirksamkeit.
Damit ist die Formulierung „Elektroosmose ist in der ÖNORM verankert“ im Alltag verständlich, fachlich noch präziser ist aber: Die ÖNORM B 3355 beschreibt elektrophysikalische Verfahren mit Elektroden und Gleichspannung – also das technische Grundprinzip, auf dem aktive elektroosmotische Mauerentfeuchtungssysteme aufbauen können.
„… mittels im Mauerwerk verlegter Elektroden eine elektrische Gleichspannung in das Mauerwerk eingebracht wird.“
ÖNORM B 3355:2017-03, Abschnitt 8.4 – Elektrophysikalische Verfahren; Offizielle Stelle: Austrian Standards
Bedeutet „in der Norm“ automatisch, dass Elektroosmose immer funktioniert?
Nein. Und genau hier lohnt sich ein Blick in die Forschung. Der elektroosmotische Effekt selbst ist physikalisch bekannt. Ob und wie stark er in einem konkreten alten Mauerwerk zur Entfeuchtung beiträgt, hängt jedoch von zahlreichen Faktoren ab.
Mauerwerk ist kein einheitlicher Stoff. Eine alte Wand kann aus Ziegeln, Naturstein und unterschiedlichen Mörteln bestehen. Auch Porengröße, Feuchte- und Salzgehalt sowie vorhandene Metallteile unterscheiden sich von Gebäude zu Gebäude. All das kann beeinflussen, wie sich das elektrische Feld und damit die Wasserbewegung im Mauerwerk verhält.
Untersuchungen der Technical University of Denmark zeigten sowohl im Labor als auch in einem alten Gebäude eine Wasserbewegung unter einem angelegten elektrischen Feld. Die Autoren beobachteten im untersuchten Mauerwerk eine klare Bewegung des Wassers in Richtung Kathode – also zur negativ geladenen Elektrode.
“a clear movement of water towards the cathode was seen.”
„Eine klare Bewegung des Wassers in Richtung Kathode wurde beobachtet.“
Ottosen & Rörig-Dalgaard, Technical University of Denmark, 2006
Andere Forschungsarbeiten zeigen zugleich, dass sich Ergebnisse aus Laborversuchen nicht immer einfach auf reales Mauerwerk übertragen lassen. Elisa Franzoni von der Universität Bologna untersuchte die durch ein elektrisches Feld beeinflusste Wasserbewegung in porösen Baustoffen. Ihre Ergebnisse zeigen, dass Materialeigenschaften und die Kombination von Ziegel und Mörtel die Wirkung deutlich beeinflussen können.
Fachpublikation: Electroosmotic transport in porous construction materials and dehumidification of masonry
In einer späteren Übersichtsarbeit fasste Franzoni den Stand verschiedener Verfahren gegen aufsteigende Feuchte zusammen. Ihre Kernaussage ist bemerkenswert nüchtern: Trotz der umfangreichen Anwendung verschiedener Technologien sind die Daten zu ihrer tatsächlichen Wirksamkeit im Feld teilweise noch begrenzt.
“the data about their actual effectiveness in the field are still quite limited”
Sinngemäß: „Die Daten zur tatsächlichen Wirksamkeit in realen Gebäuden sind weiterhin begrenzt.“
Franzoni, University of Bologna, Journal of Cultural Heritage, 2018
Auch die Forschung ist daher nicht eindimensional: Es gibt positive Labor- und Feldbeobachtungen, ebenso wie Arbeiten mit zurückhaltenden oder negativen Ergebnissen unter bestimmten Versuchsbedingungen. Genau deshalb ist es sinnvoll, nicht nur das theoretische Wirkprinzip zu betrachten, sondern den Erfolg am konkreten Gebäude nachvollziehbar zu messen.
Weitere kritische Untersuchung: Does electro-osmosis work in moisture damage prevention?
Eine 2024 veröffentlichte Fallstudie an der historischen Gül-Moschee in Istanbul berichtet wiederum über eine deutliche Reduktion des gemessenen Wasser-Massenanteils – von 14,48 % auf 2,90 % – nach Anwendung eines elektroosmotischen Systems. Das ist ein interessantes Praxisbeispiel, darf aber wie jede einzelne Fallstudie nicht automatisch auf jedes Gebäude übertragen werden.
Fallstudie 2024: Rising Damp Treatment in Historical Buildings by Electro-Osmosis: A Case Study
Und was hat das nun mit AQUAPOL® zu tun?
Hier entsteht die gedankliche Verbindung. Sowohl bei der aktiven Elektroosmose als auch bei AQUAPOL® soll bei kapillar aufsteigender Bodenfeuchte der Feuchtigkeitstransport im Mauerwerk beeinflusst werden.
Das Ziel lässt sich vereinfacht ähnlich darstellen: Die Feuchtigkeit soll nicht weiter nach oben steigen, sondern wieder in Richtung Erdreich bewegt bzw. dort gehalten werden. Genau deshalb verwenden wir die Elektroosmose manchmal als Vergleich, wenn wir das AQUAPOL® Wirkprinzip erklären.
Vergleichbar im Ziel. Grundverschieden in der Umsetzung.
Bei der aktiven Elektroosmose wird über Elektroden und Gleichspannung gezielt ein elektrisches Feld im Mauerwerk erzeugt. AQUAPOL® arbeitet dagegen ohne Elektroden im Mauerwerk, ohne elektrische Leitungen durch die Wände, ohne künstlich angelegte Gleichspannung und ohne laufenden Anschluss an das Stromnetz. Das AQUAPOL® Gerät wird innerhalb des Gebäudes montiert. „Mauerkontaktlos“ bedeutet in diesem Zusammenhang: Für das Wirkprinzip werden keine Elektroden oder Leitungen in das Mauerwerk eingebaut.

Wie erklärt AQUAPOL® seine Wirkungsweise?
Hier ist uns eine klare Trennung zwischen Beobachtung und wissenschaftlichem Erklärungsmodell besonders wichtig. Mit „Arbeitshypothese“ meinen wir das Erklärungsmodell, mit dem Ing. Wilhelm Mohorn die von AQUAPOL® beobachtete Wirkung beschreibt. Dieses Modell ist nicht mit einem naturwissenschaftlich allgemein anerkannten Wirkmodell gleichzusetzen.
Die AQUAPOL® Arbeitshypothese stammt aus dem Jahr 1992. Danach wird ein natürliches, elektromagnetähnliches Wirkfeld angenommen. Mit „Wirkfeld“ bezeichnen wir den Einflussbereich des AQUAPOL® Gerätes. Innerhalb dieses Bereichs soll die kapillar aufsteigende Bodenfeuchte wieder nach unten in Richtung Erdreich bewegt werden. Ing. Wilhelm Mohorn nennt diesen angenommenen Vorgang „Gravomagnetokinese“. Der ungewöhnliche Fachbegriff beschreibt in seiner Arbeitshypothese also vereinfacht genau diese angenommene Abwärtsbewegung der Feuchtigkeit.
Das feuchte Mauerwerk wird dabei nicht künstlich erhitzt und es wird keine physische Feuchtigkeitssperre eingebaut. Vereinfacht gesagt soll vielmehr die Bewegung der Feuchtigkeit im feinen Porensystem des Mauerwerks verändert werden.
Dieses Erklärungsmodell ist naturwissenschaftlich nicht allgemein anerkannt. Auch darauf weisen wir in unseren eigenen Unterlagen ausdrücklich hin. Deshalb unterscheiden wir bewusst zwischen dem theoretischen Wirkmodell und dem, was am Gebäude überprüfbar ist: der Entwicklung der Mauerfeuchtigkeit. Genau diese Entwicklung begleiten und dokumentieren wir durch Messungen.

Warum ist AQUAPOL® nicht in der ÖNORM B 3355 enthalten?
Diese Frage wird uns immer wieder gestellt – und die Antwort ist eindeutig. Die ÖNORM B 3355 hält in ihrem Anwendungsbereich fest, dass ausschließlich Verfahren berücksichtigt werden, deren Wirkungsweise wissenschaftlich allgemein anerkannt und deren praktische Tauglichkeit erwiesen sind.
Gleichzeitig werden in der Norm sogenannte mauerkontaktlose Verfahren nicht behandelt. Als Beispiele nennt die ÖNORM unter anderem Ansätze, die sich auf Radiowellen, Funk- und Magnetfelder beziehen.
AQUAPOL® gehört deshalb nicht zu den in der ÖNORM B 3355 beschriebenen Verfahren. Das verschweigen wir nicht – im Gegenteil. Für eine saubere fachliche Kommunikation müssen zwei Dinge voneinander getrennt werden: Das AQUAPOL® Verfahren selbst ist nicht Bestandteil der ÖNORM. Die Entwicklung der Mauerfeuchtigkeit kann trotzdem mit anerkannten Messmethoden dokumentiert werden.
Entscheidend ist, was im Mauerwerk passiert – und das sollte gemessen werden
Gerade bei einem alternativen Verfahren wie AQUAPOL® halten wir eine nachvollziehbare Kontrolle für besonders wichtig. Deshalb begleiten wir die Mauerentfeuchtung – je nach vereinbartem Leistungsumfang – mit Erst-, Zwischen- bzw. Kontrollmessungen.
Die aktuelle ÖNORM B 3355 schreibt zur Bestimmung des Feuchtigkeitsgehalts die Darr-Methode vor. Dabei wird eine kleine Materialprobe aus dem Mauerwerk entnommen und zunächst gewogen. Anschließend wird sie getrocknet, bis sie kein Wasser mehr abgibt, und noch einmal gewogen. Aus dem Gewichtsverlust lässt sich berechnen, wie viel Wasser zuvor in der Probe enthalten war. So erhält man den Feuchtigkeitsgehalt des Mauerwerks als nachvollziehbaren Messwert.
Wir arbeiten nach diesem Prinzip mit einem Feuchtemessgerät, das die Probe trocknet und dabei laufend wiegt. Das Gerät wird regelmäßig gewartet und seine Waage kalibriert. So bleiben die Werte einer Erstmessung und einer Kontrollmessung Jahre später miteinander vergleichbar.
Vertrauen ist gut. Messen ist besser.

AQUAPOL® versus aktive Elektroosmose – die Unterschiede auf einen Blick
| Kriterium | Aktive Elektroosmose | AQUAPOL® |
| Ziel bei aufsteigender Feuchte | Beeinflussung des Feuchtigkeitstransports | Beeinflussung des Feuchtigkeitstransports |
| Technischer Ansatz | Wassertransport durch ein mit Gleichspannung erzeugtes elektrisches Feld | Beeinflussung des Feuchtigkeitstransports nach der AQUAPOL® Arbeitshypothese („Gravomagnetokinese“) |
| Elektroden im Mauerwerk | Ja – bei den in der ÖNORM beschriebenen elektrophysikalischen Verfahren | Nein |
| Elektrische Leitungen | Systembedingt erforderlich | Keine Leitungen durch das Mauerwerk |
| Stromversorgung für den Betrieb | Gleichspannung erforderlich | Kein laufender Stromanschluss |
| Eingriff für die Systeminstallation | Elektroden werden im bzw. am Mauerwerk installiert | Keine Elektroden oder Leitungen im Mauerwerk; Gerät wird im Gebäude montiert |
| Umgang mit der Bausubstanz | Elektrodeninstallation erforderlich, aber keine mechanische Durchtrennung des Mauerwerks zur Herstellung einer Horizontalsperre | Keine Elektroden oder Leitungen im Mauerwerk; keine mechanische Durchtrennung für das Wirkprinzip |
| Wissenschaftlicher Status | Physikalischer Effekt anerkannt; Wirkung im realen Mauerwerk abhängig von Material und Bedingungen | Wirkmodell ist eine Arbeitshypothese; naturwissenschaftlich nicht allgemein anerkannt |
| ÖNORM B 3355 | Elektrophysikalische Verfahren mit Elektroden und Gleichspannung sind beschrieben | AQUAPOL® ist nicht enthalten |
| Umfang der Installation | Elektrodensystem in den zu trocknenden Mauern | Geräteanzahl und Gerätetyp abhängig von Gebäudegröße, Grundriss und erforderlichem Wirkbereich |
| Aktive Bauteile im Betrieb | Spannungsquelle bzw. Steuergerät sind für den Betrieb erforderlich | Passive Bauweise; keine aktive Elektronik und keine eigene Stromversorgung im Gerät |
| Wartung und Verschleiß | Elektroden, Leitungen und Steuerung unterliegen den jeweils vorgesehenen Wartungs- und Kontrollintervallen | Keine elektronischen Verschleißteile; Betreuung im Rahmen des vereinbarten Serviceumfangs |
| Erfolgskontrolle | Kontrolle am konkreten Gebäude sinnvoll bzw. erforderlich | Messung und Dokumentation am konkreten Gebäude zentraler Bestandteil |
Zwei unterschiedliche Verfahren – mit wichtigen Gemeinsamkeiten
Elektroosmose und AQUAPOL® sind nicht dasselbe Verfahren. Auch die Bezeichnung „AQUAPOL® ist Elektroosmose ohne Strom“ wäre fachlich nicht richtig.
Was beide Ansätze zunächst verbindet, ist die grundlegende Idee, dass bei kapillar aufsteigender Bodenfeuchte nicht zwingend nur eine neu eingebaute mechanische oder chemische Sperrschicht – also eine nachträgliche waagrechte Barriere gegen aufsteigendes Wasser – der Ansatzpunkt sein muss. Auch die Bewegung der Feuchtigkeit im Mauerwerk selbst kann beeinflusst werden.
Bei der aktiven Elektroosmose geschieht dies über Elektroden und ein mit Gleichspannung erzeugtes elektrisches Feld. Bei AQUAPOL® erfolgt es nach der Arbeitshypothese von Ing. Wilhelm Mohorn über das mauerkontaktlose AQUAPOL® Wirkfeld und ohne laufenden Stromanschluss.
Eine weitere wichtige Gemeinsamkeit – und aus unserer Sicht ein großer Vorteil beider Ansätze – ist die vergleichsweise schonende Behandlung der vorhandenen Bausubstanz.
Bei klassischen mechanischen Verfahren wird nachträglich eine waagrechte Sperrschicht in das Mauerwerk eingebaut. Je nach Methode muss das Mauerwerk dafür beispielsweise abschnittsweise aufgeschnitten, durchtrennt oder anderweitig baulich bearbeitet werden.
Elektrophysikalische Verfahren verfolgen einen anderen Weg: Zwar müssen Elektroden im bzw. am Mauerwerk installiert werden, eine mechanische Durchtrennung des Mauerwerks zur Herstellung einer Horizontalsperre ist jedoch nicht erforderlich.
AQUAPOL® kommt für sein Wirkprinzip ohne Elektroden, Leitungen oder eine mechanische Sperrschicht im Mauerwerk aus. Das Gerät wird innerhalb des Gebäudes montiert.
Gerade bei älteren Gebäuden, historischem Mauerwerk oder überall dort, wo größere Eingriffe in die bestehende Bausubstanz möglichst vermieden werden sollen, kann dieser Grundgedanke besonders interessant sein.
Damit haben beide Verfahren zwei wichtige Gemeinsamkeiten: Sie setzen am Feuchtigkeitstransport an und können im Vergleich zu mechanischen Sperrverfahren substanzschonender umgesetzt werden. Der technische Weg dorthin ist jedoch grundverschieden.
Welche Methode ist die richtige?
Diese Frage lässt sich nicht allein anhand eines Verfahrensnamens beantworten. Bei Feuchtigkeit im Mauerwerk sollte immer zuerst festgestellt werden, welche Feuchteursache tatsächlich vorliegt.
Denn weder Elektroosmose noch AQUAPOL® noch eine chemische Injektion – bei der ein Wirkstoff in das Mauerwerk eingebracht wird – oder ein mechanisches Verfahren mit nachträglich eingebauter Sperrschicht kann jede Form von Mauerfeuchtigkeit beseitigen. Bei AQUAPOL® liegt das hauptsächliche Anwendungsgebiet in der kapillar aufsteigenden Bodenfeuchte. Andere Feuchteursachen müssen erkannt und – wenn notwendig – mit geeigneten begleitenden Maßnahmen behoben werden.
Eine fundierte Mauerwerksdiagnose ist deshalb wichtiger als die vorschnelle Entscheidung für irgendeine Methode. Gemeint ist damit eine fachliche Untersuchung des Gebäudes, bei der unter anderem Feuchteursache, Feuchtigkeitsverteilung und – je nach Situation – auch die Salzbelastung betrachtet werden.
Wie wir bei AQUAPOL® am Objekt vorgehen
Eine solche Diagnose ist bei AQUAPOL® kein einzelner Arbeitsschritt, sondern Teil eines festgelegten und dokumentierten Ablaufs. Er beginnt vor der Montage des Gerätes und endet nicht mit ihr.
Am Anfang steht eine Objektanalyse und eine umfassende technische Mauerfeuchteanalyse – die fachliche Aufnahme des Gebäudes vor Ort. Erfasst werden unter anderem Bauweise, Mauerwerksaufbau, sichtbare Feuchtigkeitserscheinungen, Mauerfeuchte und Raumklima. Grundlage dafür sind Checklisten, ein Objektplan und eine zugehörige Planlegende. So bleibt nachvollziehbar, was am Gebäude vorgefunden wurde und worauf sich die weitere Empfehlung stützt.
Darauf aufbauend entsteht das Sanierungskonzept. Es hält fest, welche begleitenden Maßnahmen am Gebäude sinnvoll oder notwendig sind – gemeint sind damit Arbeiten, die nicht zum Gerät selbst gehören, die Entwicklung der Mauerfeuchtigkeit aber beeinflussen können. Dazu zählen beispielsweise Putz- und Anstricharbeiten, Fragen der Belüftung oder Maßnahmen im angrenzenden Außenbereich. Auch dafür verwenden wir eine eigene Checkliste, damit die möglichen Einflussfaktoren vollständig betrachtet werden.
Die Montage selbst ist entsprechend zeitintensiv. Sie umfasst neben dem Anbringen des Gerätes auch die Festlegung der Messpunkte und die Dokumentation des Ausgangszustands.
Nach der Montage wird die Entwicklung der Mauerfeuchtigkeit weiter begleitet. Je nach vereinbartem Leistungsumfang erfolgen Zwischen- und Kontrollmessungen nach dem Prinzip der Darr-Methode. Die Ergebnisse werden dokumentiert und dem Kunden zur Verfügung gestellt.
Damit trennen wir auch hier bewusst zwischen dem theoretischen Wirkmodell und dem, was am Gebäude überprüfbar ist: Nicht das Gerät allein, sondern der dokumentierte Ablauf macht die Entwicklung am Mauerwerk nachvollziehbar.
Unser Fazit
Wir ziehen den Vergleich zwischen AQUAPOL® und Elektroosmose gerne heran, weil er hilft, einen komplexen Vorgang einfacher verständlich zu machen. Dabei möchten wir aber ebenso klar sagen, wo dieser Vergleich endet.
Elektroosmose arbeitet mit einem angelegten elektrischen Feld und – bei den in der ÖNORM B 3355 beschriebenen elektrophysikalischen Verfahren – mit Elektroden im Mauerwerk. Der elektroosmotische Effekt selbst ist physikalisch bekannt; seine konkrete Wirkung im realen Mauerwerk hängt unter anderem von Material, Aufbau, Feuchte- und Salzgehalt der Wand ab.
AQUAPOL® verfolgt einen anderen Ansatz. Das System arbeitet ohne Elektroden oder Leitungen im Mauerwerk und ohne laufenden Stromanschluss. Sein Wirkprinzip basiert auf einer Arbeitshypothese und ist nicht Bestandteil der ÖNORM B 3355.
Eine wichtige Gemeinsamkeit beider Verfahren liegt in der Schonung der Bausubstanz: Elektroosmose kommt ohne mechanische Durchtrennung des Mauerwerks für eine Horizontalsperre aus; AQUAPOL® benötigt für sein Wirkprinzip darüber hinaus keine Elektroden oder Leitungen im Mauerwerk.
Auch wirtschaftlich kann der unterschiedliche Aufbau eine Rolle spielen. Während bei elektrophysikalischen Verfahren Elektroden in den zu trocknenden Mauern installiert werden müssen, arbeitet AQUAPOL® innerhalb eines definierten Wirkbereichs. Abhängig von Gebäudegröße, Grundriss und Gerätetyp können damit mehrere bzw. sämtliche relevanten Mauerbereiche eines Gebäudes erfasst werden – einschließlich der anschließenden Trockenhaltung. Dadurch können auch Mauerbereiche einbezogen sein, die zum Zeitpunkt der Installation noch keine sichtbaren Feuchteschäden zeigen. Der konkrete Kostenunterschied ist jedoch immer objektabhängig.
Was für uns letztlich zählt, ist die Entwicklung im Gebäude – und ob sie nachvollziehbar gemessen und dokumentiert werden kann.
Nachhaltige Lösungen beginnen deshalb nicht mit einem Produktnamen, sondern mit dem richtigen Verständnis der Feuchteursache.
Quellen und Bildnachweis
Kernquellen
- ÖNORM B 3355:2017-03, Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk. Austrian Standards International, Wien. Die vollständige Norm ist kostenpflichtig erhältlich.
- Ottosen, L. M.; Rörig-Dalgaard, I. (2006): Drying brick masonry by electro-osmosis. Technical University of Denmark, DTU Research Database.
- Franzoni, E. (2018): State-of-the-art on methods for reducing rising damp in masonry. Journal of Cultural Heritage 31, S3–S9. Università di Bologna.
Alle weiteren Quellen sind unmittelbar an der betreffenden Stelle im Beitrag verlinkt.
Bildnachweis
- Titelbild: Adobe Stock, Lizenznummer 85866357. Einordnung: Feuchtegeschädigtes Mauerwerk – Symbolbild für den Vergleich von Mauerentfeuchtungsverfahren. Die Steckdose steht nur für den elektrischen Aspekt und zeigt keine Elektroosmose-Anlage.


